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The Invitation 2004
Wave Gothic Electro Meeting
KUIPKE - SPORTPALEIS GENT 04.03.2004-07.03.2004
Gestern bin ich gesund und mehr oder weniger munter aus
dem belgischen Gent zurück gekehrt, heute sitze ich wieder am Bürorechner
- nette Gelegenheit, das Festival in kurzen Worten Revue passieren zu
lassen. ;-)
Alles in allem war es ein sehr nettes Festival. Drei Tage am Stück sind
allerdings zuviel - zwei Tage hätten gereicht, da hätte man auch die
ein oder andere Langweiler-Truppe aus dem Programm streichen können.
*g* Übrigens ist die Innenstadt von Gent der Hammer! Für Menschen mit
einem Faible für historische Gebäude und Geschichte ein echter Herzklopfer!
Nach Essen fassen und einem ersten Sightseeing kamen wir Freitag abend
in der Halle an um als ersten Live-Act Diary Of Dreams bewundern zu
dürfen. War ein sehr guter, druckvoller und professioneller Auftritt,
Respekt! Durch unser spätes Erscheinen haben wir übrigens u.a. ASP verpasst
- Glück gehabt! *fg* Man bemerkte bei DOD auch gleich das Manko des
gesamten Wochenendes: Im Publikumsraum war es einfach viel zu leise!
Offensichtlich gab es wohl von behördlicher Seite eine Dezibelbeschränkung.
Da half nur, sich stets direkt vor den Boxen seitlich der Bühne zu positionieren.
;)
Anschliessend kam uns Ronan mit seinem Trommeltier auf die Bühne. Show
wie gewohnt, Stimmung gut, und Ronan's Sprüche zwischen den Songs waren
vielleicht interessanter als die Songs an sich. ;-) Wobei ich zugeben
muss, dass ich "Legion" immer noch für ein tolles Liedchen halte und
dankbar dafür war, dass "Standing" ausnahmsweise nicht in der Großraumdiscoversion
gespielt wurde. *g* Es wurde aber wieder mal überdeutlich, dass VNV
live vor allem vom Charisma des Herrn Harris lebt.
Danach gab´s dann ne feine Aftershowparty, die sowohl feucht als auch
fröhlich war und bei der der DJ mit einer wirklich guten Musikauswahl
überzeugte. Wohl das Highlight des Abends... ;-)
Samstag gab es dann zur Mittagszeit als erstes [:SITD:] auf den Tisch,
deren Sänger eine neue Interpretation englischer Phonetik zum Besten
gab. Absolut eine Band mit Partyfaktor, auch ernste Themen dürfen sein
("Lebensborn"), aber dem Herrn Sänger möchte man trotzdem einen Logopäden
spendieren. *fg* Aber er steht damit ja nicht alleine da in der deutschen,
englischsingenden Musikerzunft... ;-)
Nach dem Mittagessen gab es dann ca. 10 Minuten Pride & Fall - professionelle
Show, aber die Musik hinterliess bei mir nur ein Gähnen. Darum überliess
ich diese Darbietung jenen, die sie gefiel (was wohl nicht wenige waren)
und inspizierte lieber die verschiedenen Künste belgischer Brauereikunst...
Von der Tribühne gegenüber der Stage haben wir dann Qntal beblubscht
- endlich echte Musiker! *fg* Handwerklich über alle Zweifel erhaben.
Aber halt manchmal auch etwas langatmig. So sans die Künstlers.
Danach: Kirlian Camera. Auch Künstler! Und einer der Hauptgründe meiner
Anwesenheit in Gent. Kurz gesagt: Ich war hin und weg! Obwohl es wohl
einige technische Probleme gab, die gelegentlich für irritierte Gesichter
auf der Bühne sorgten, ein absolut überzeugender Auftritt! Mir kam die
Eingebung, dass Kirlian Camera in dieses Wochenende der Unterhaltungselektronik
einen Hauch von Kunst einbrachten. Was ich später bei (un-?)passender
Gelegenheit Mastermind Bergamini auch unbedingt auf die Nase drücken
musste. Da hat er wieder ein irritiertes Gesicht gemacht. Vielleicht,
weil meine Inspektion der belgischen Brauereikunst mittlerweile vorangeschritten
war. Aber gefreut hat er sich auch! =) Übrigens hatten Kirlian Camera
trotz der Tatsache, dass sich so einige Kiddies erschrocken aus der
Halle zurückzogen, eine erfreuliche gute Resonanz beim Publikum! Bei
Eclipse ging dann sogar richtig die Party ab. Auf der Bühne war man
sichtlich gerührt.
Clan Of Xymox darauf hatten dagegen wohl ihren langweiligen Tag erwischt.
Sie können live sehr gut sein, waren´se dieses Mal aber nicht. Zum Teil
hab ich auch nur Drumcomputer, Keys + Gesang gehört, dass Geschrubbel
des Gitarristen drang nicht bis zum Publikum vor. Das war wohl scheisse
abgemischt! Im Gegensatz zu den Ergebnissen belgischer Brauereikunst,
die ich munter weiter inspizierte...bei den Gastronomiemitarbeitern
der Presselounge war ich übrigens mittlerweile eine feste Größe, ich
wurde gar in fachmännische Gespräche über die Biermarke Duvel verwickelt.
Die sei ja viel besser. War´se auch - 8,5 Umdrehungen, uih, uih, uih!
Davon musste ich gleich dem Eskil eine Probeexemplar vorbei bringen,
aber der probte gerade was anderes, nämlich seinen Gesang (die werden
auf ihre alten Tage noch echte Profis, die Schweden *g*). Aber ich schweife
ab...
Fast, denn als nächste Band traten der Welt liebste Schweden auf. Future
Pop hin, Future Pop her: Covenant haben einen zu 90% supergenialen Auftritt
hingelegt! Die anderen 10% bestanden aus technischen Problemen und der
zu geringen Lautstärke, aber was soll´s. Das Set war wirklich pfiffig:
Auf Gassenhauer wie "Dead Stars" oder "Stalker" wurde bewusst verzichtet,
dafür gab es Perlen wie "Wall Of Sound" oder "Rising Sun". Die an diesem
Wochenende überaus üblichen (und meist eher peinlichen) Animationsversuchen
a la "where are your haaaaands?" oder "let's paaaarty!" gab es bei Covenant
nicht, dafür eine doch eine, öhem, doch recht leidenschaftliche Performance
von Sänger Eskil. Das gefiel - selbst wenn man sich manchmal trotzdem
gewünscht hätte, er würde das Publikum ein *bißchen* mehr einbeziehen.
Aber das Verbreiten von Schützenfestatmosphäre haben Covenant in gent
anderen überlassen, nur zum Schluss gab es die (ursprünglich nicht eingeplante)
Zugabe "One World One Sky", bei der alle Kinder wieder gemeinsam hüpfen
und gröhlen durften. Quasi ein moment of relief, das aber als Abschluss
durchaus passend wirkte.
Danach kamen And One. Auch eine sehr professionell arbeitende Band,
dieses Mal aber *mit* Schützenfestatmosphäre. Und einem ziemlich albern
rumstolzierenden Chris Ruiz - das der für sowas Gage bekommt, ts ts!
Trotzdem kann man ja And One den Unterhaltungswert nicht absprechen,
aber es war auch kaum mehr als das - Unterhaltung. Auf alle Fälle ein
geeigneter Soundtrack, um die frisch gewonnenen Erkenntnisse über die
belgische Brauereikunst zu vertiefen. An der anschliessenden Aftershowparty
konnte daraufhin nicht im selben Umfang wie am Vorabend teilgenommen
werden.
Am letzten Festivaltag haben wir uns dann für eine ausgiebiges Sightseeing
in Gent entschieden und dafür einige Bands sausen lassen. So haben wir
z.B. Decoded Feedback und God Module verpasst, die laut Augenzeugen
aber recht ansprechend gewesen sein sollen.
Erste Bands des Sonntags waren dann Ordo Rosarius Equilibrio, die eher
wie ein Fremdkörper im Festivalprogramm wirkten und auch irgendwie anstrengend
waren. Von der Tribüne aus genossen aber doch sehr schön anzuschauen!
Icon Of Coil im Anschluss machten das, was fast alle anderen auch machten:
Schützenfest-Electro. Wobei man ja sagen muss, dass IOC dann immer richtig
gut waren, wenn sie das typische 4-to-the-floor Schema verliessen. Taten
sie in der Tat auch 2-3 mal im Laufe ihres Sets, der Rest war aber eher
langweilig. Erwähnenswert hier vielleicht noch die Ersatzkeyboarderin
aus London im Cybergirlie-Look und einer Haarpracht, die gleich für
10 Rastafaris gereicht hätte.
De/Vision am frühen Abend waren dagegen einfach nur langweilig und belanglos.
Nicht mal Reibungspunkte, über die man sich hätte aufregen können, bot
die Band. Das kannte man von den Jungs auch mal anders, im positiven
wie im negativen. Aber Steffen & Co. hatten sichtlich einfach keinen
Bock...
Danach war wieder Heldenzeit: DAF! Klassiker folgte auf Klassiker, vor
allem in der zweiten Hälfte des Auftritts gab es aber auch sehr sehr
viel Material vom aktuellen Album, das vom Publikum überraschend positiv
aufgenommen wurde. Jedenfalls bei dem Publikum, das noch da war. Sämtliche
Future-Pop-Kiddies flüchteten aus dem Saal und fanden diese alten Männer
total doof, so dass DAF zum Schluss vor einer zu dreiviertel leeren
Halle spielten. Dabei zeigten DAF als einzige an diesem Tag, dass "die
Szene" ihre Roots im Punk hat, und nicht in einem Gay Club. ;)
Als krönender Abschluss kamen dann die frisch gekrönten Echo-Preisträger
Wolfsheim, aber dieser Krönung wollten wir nur bis zum ca. viertem Lied
beiwohnen. Die Füsse waren uns eingeschlafen, trotz Feuerwerk und hübschem
Licht.
Nunja. Insgesamt war´s ein rundes Wochenende. Highlights waren für mich
Kirlian Camera, Covenant und (mit leichten Abstrichen) DAF sowie die
Genter Innenstadt und die belgische Brauereikunst. Allein wegen den
letzten beiden Punkten könnte ich mir einen erneuten Besuch des Festivals
im kommenden Jahr vorstellen. ;-)
By Niggels
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